09.06.2026 –, Sonnendeck
Die Freie Hansestadt Bremen hat das Erreichen der Klimaneutralitaet bis 2038 im Bremischen Klimaschutz- und Energiegesetz verankert. Wie die ebenfalls im Gesetz enthaltenen Reduktionsziele der durch den Primaerenergieverbrauch verursachten Kohlendioxidemissionen im Land Bremen erreicht werden sollen, schreibt die Klimaschutzstrategie 2038 fest. War Klimaschutz bis dato inhaltlich ausschließlich beim Umweltressort verortet, sind seit 2022 alle Ressorts den Bremer Klimazielen verpflichtet - so auch das Kulturressort. Diese Entwicklung war ein wichtiger Schritt in Richtung Verankerung von Klimaschutz als ressortuebergreifendes Querschnittsthema.
Um Klimaneutralitaet bis 2038 erreichen zu koennen, muss auch der Bremer Kultursektor Verantwortung uebernehmen fuer die eigenen Verbraeuche. Dementsprechend ist die Bremer Kulturverwaltung eingebettet in dieses gesamtstaedtische Aktionsprogramm. Seit 2025 ist der Arbeitsbereich Klimaschutz beim Senator fuer Kultur auch mit personellen Ressourcen hinterlegt, um das Engagement fuer Klimaschutz im Kulturbereich zu unterstuetzen, Klimaschutz als Querschnittsthema in der Kulturverwaltung zu verankern und geeignete Rahmenbedingungen fuer einen zukunftsfaehigen Kulturbereich zu schaffen. Da Prozesse hin zu mehr Klimaschutz nicht linear verlaufen, sondern sich eingebettet in spezifische politische und oekonomische Kontexte dynamisch entwickeln, war es fundamental wichtig, langfristig ansprechbare Strukturen zu schaffen, um den Bremer Kulturbereich in oekologischen Transformationen begleiten zu koennen. Denn auch wenn die Bremer Klimaschutzstrategie keine kulturspezifischen Ziele enthaelt, muessen Bremer Kultureinrichtungen befaehigt werden, einen Beitrag zur Klimaneutralitaet Bremens leisten zu koennen.
Vor diesem Hintergrund zielt der eingereichte Beitrag darauf, die waehrend der letzten drei Jahre gesammelten Erfahrungswerte in der Etablierung des neuen Arbeitsbereichs Klimaschutz in der Bremer Kulturverwaltung zu reflektieren und mit den Besuchenden des Festivals die wichtigsten Erkenntnisse zu teilen: was hat gut funktioniert? Wo muessen strukturelle Hemmnisse abgebaut werden? Wo liegen zukuenftig Bedarfe?
Als Einstieg in den Input dient ein Überblick ueber den Bremer Kulturbereich, um die Rahmenbedingungen darzulegen, in denen die Aktivitaeten zu Klimaschutz beim Senator fuer Kultur stattfinden: Bremen ist ein kleines Bundesland, die Wege sind kurz und die Kulturakteurinnen kennen sich untereinander. Diese Eigenschaften waren bei der Findung eines strategischen Vorgehens fuer die Platzierung von Klimaschutz beim Senator fuer Kultur hilfreich. So etwa fuer das anfaengliche Mapping von in Bremen bereits vorhandener Initiativen und Netzwerke fuer Klimaschutz im Kulturbereich mit dem Ziel, existierendes Engagement zu buendeln. Auf diese Weise sind Kooperationen mit Akteurinnen aus verschiedenen Bereichen entstanden. Gemeinsam wurde versucht, die Ursachen fuer die langsame Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen im Kultursektor zu verstehen, bevor Loesungen gesucht und diskutiert wurden. Entstanden ist dabei die Veranstaltungsreihe Denkwerkstatt Klimaschutzstrategie, die seit 3 Jahren mehrmals jaehrlich stattfindet und die sich als wichtiges Netzwerk fuer Klimaschutz im Bremer Kulturbereich etabliert hat. (Eindruecke von bereits behandelten Themen waehrend der Denkwerkstatt Klimaschutzstrategie ist hier zu finden: https://www.kultur.bremen.de/service/klima-und-umweltschutz-21735). Vorgestellt werden außerdem der existierende Klimacheck in Bremen als Werkzeug, um die CO2 Auswirkungen von jedem Vorhaben zu ermitteln, das im Bremer Senat behandelt wird (https://klimacheck.ramboll.de/login), das Bremer Spuelmobil als eine erfolgreich umgesetzte Initiative aus der Bremer Kulturszene (https://www.musikszene-bremen.de/mehrwegservice/) und das LED-Sofortprogramm, das vom Senator fuer Kultur umgesetzt wurde.
Darueber hinaus widmet sich der Input auch der Verwaltung zur Verfuegung stehender Hebel, um Klimaschutzengagement anzuregen: So werden die in Bremen existierenden Nachhaltigkeitsberichtspflichten und die Betroffenheit von Kultureinrichtungen thematisiert und Initiativen vorgestellt, um Bremer Kultureinrichtung bei der Erfuellung ihrer Berichtspflichten zu unterstuetzen. Außerdem werden Erfahrungen aus dem ersten Jahr geteilt, in dem Klimavertraeglichkeit und Nachhaltigkeit als positive Weichkriterien in die Projektmittelfoerderung vom Senator fuer Kultur aufgenommen wurden.
Resuemierend werden die strukturellen Schwierigkeiten aufgezeigt, die die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in Bremen verlangsamen. Abschließend werden die Bereiche Bewusstseinsbildung fuer geringinvestive Klimaschutzmaßnahmen, Vernetzung auf Bundesebene (vom Senator fuer Kultur wahrgenommen durch die Berichtserstattung fuer oekologische Nachhaltigkeit im Kulturausschuss der Laender und im Rahmen des Beirats der Green Culture Anlaufstelle) und Wissenstransfer, Weiterbildung und Qualifizierung von Kulturschaffenden als die Bereiche platziert, in die es zukuenftig zu investieren gilt, um Klimaschutz in Bremen und bundesweit erfolgreich voranzutreiben.
Lina-Marie Huber ist Kulturwissenschaftlerin. Sie arbeitete mehrere Jahre in der Forschung und als Referentin für unternehmerische Sorgfaltspflichten und Nachhaltigkeitsberichtspflichten. Seit 2025 arbeitet sie als Klimaschutzreferentin beim Senator für Kultur der Freien Hansestadt Bremen. Sie ist Ansprechpartnerin für alle Belange rund um Klimaschutz für Bremer Kulturschaffende.
Christian Kindscher-Lieke ist Diplom-Kaufmann und hat in Berlin, Mannheim und Birmingham/England studiert. Dabei spezialisierte er sich auf das Management von öffentlichen Verwaltungen, öffentlichen Unternehmen und Not-for-Profit Organisations. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Unternehmensberater arbeitet er seit 25 Jahren in unterschiedlichen Funktionen in der Bremer Kulturverwaltung. Christian Kindscher-Lieke unterstützt als Abteilungsleiter die Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz sowie den Kultursenator und Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte.